Schwäbischer Albverein Amstetten

Schwäbischer Albverein Ortsgruppe Amstetten

Halbtageswanderung am 10. 11. 2019

Während der Vorbereitung der Wanderung bemerkte ich einen gelb blühenden, sonnenblumenartig scheinenden Acker. Das Gelb bestand aus der Durchwachsenen Silphie, einer mir unbekannten Energiepflanze. Unweit davon befindet sich eine genossenschaftlich geführte Biogasanlage... Die Silphie ist eine in Nordamerika beheimatete, energiereiche Pflanze, welche im 2. Jahr nach der Aussaat eine Doldenblüte in der Größe einer Sonnenblume reift und geerntet werden kann. Sie wird etwa 3 m groß und eignet sich für die klimatischen Gegebenheiten der Ostalb. Sechs Landwirten warben für die Gründung einer Genossenschaft. Die Werbung überzeugte weitere 16 Landwirte für eine Energiegenossenschaft Gussenstadt eG welche im Jahr 2013 gegründet wurde.

Thomas Häcker, 1. Vorstand der Energiegenossenschaft, ist Landwirt und für die Technik und den Ausbau der Anlage zuständig. Bei der Führung überzeugt er uns durch seine technischen Kenntnisse, und man spürt seine Verbundenheit mit der Biogasanlage. Neuerungen, soweit sie Verbesserungen für den Betrieb bringen, werden laufend umgesetzt. So auch die Anbauversuche mit der Silphie, zuerst mit Setzlingen, jedoch für 3000 € je Hektar zu teuer, entwickelte der dafür zuständige Unternehmer ein Verfahren, die Silphie durch Saat anzubauen. Heute wird reihenweise die Silphie im Verbund mit Mais, mittels einer umgebauten Sämaschine ausgesät, für etwa 300 € je ha. Im ersten Jahr wächst bei der Silphie lediglich eine Blattrosette, der Mais wird dagegen erntereif und schützte ein Jahr lang die empfindliche Blattrosette. In den folgenden 10 bis 15 Jahren, ohne weitere Bodenbearbeitung, kann die nachwachsende Silphie als Energiepflanze, nach der Blüte geerntet werden… Eine einmalige, chemische Unkrautbekämpfung wird nur im ersten Jahr durchgeführt. Die Silphie durchwurzelt den Boden tief und intensiv, reduziert die Bodenerosion und speichert Feuchtigkeit. Ob sie mehrere Trockenjahre in Folge übersteht, ist noch nicht nachgewiesen. Eine Gruppe im Ausschuss forscht an der Optimierung nachwachsender Pflanzen. Die Blütezeit der Silphie erstreckt sich von Juni bis Anfang Oktober. Gerade in einem Zeitraum, wo pollen-und nektarreiche Blüten im freien Feld abnehmen. Zahlreiche Honig und-Wildbienen, Schmetterlinge und andere Insekten bedienten sich dieser späten Nahrungsquelle. Imker aus Gussenstadt bestätigten mir eine deutliche Zunahme des Honigertrages, was sich auch positiv auf die Vitalität der Bienenvölker auswirkt.

Mit 20% Eigenkapital wurde mit dem Bau 2013 begonnen. Am Ende des Jahres wurde der erste Strom ins Netz eigespeist. Viel Abwärme ging durch die mit Gas betriebenen Ottomotoren beim Antrieb der Generatoren verloren. Zum Erhalt des Gärprozesses in den Fermentern werden nur 25% der Wärme benötigt - Im Jahr 2014 wurden daher 3.5 km Kanal gebaut und für die Wärmeabnahme im nahegelegenen Wohngebiet ein Wasserkreislauf installiert. Ein Wasserspeicher mit 88 Grad warmen Wasser kommt zum Wärmetauscher in den Gebäuden, das abgekühlte Wasser wird im Wärmetauscher in der Anlage- im Kreislauf- wieder aufgeheizt. Die erforderlichen Wärmetauscher wurden auf Kosten der Genossenschaft beschafft und installiert. Inzwischen wurde das Leitungsnetz um weitere 3 km erweitert. So konnten weitere Gebäude angeschlossen werden, wie Rathaus, Kindergarten, Schule, Feuerwehr, Sporthalle und Wohnungen. Im Offenen Kanal wurden als Dreingabe Leerrohre und Glasfaser verlegt. Für die angeschlossenen Verbraucher gibt es einen kostenlosen Anschluss zum schnellen Internet. Insgesamt kann nun die Abwärme des Blockheizkraftwerkes ( BHKW ) zu 80 % genutzt werden. Im Sommer entsteht ein Wärmeüberschuss und die Anlage wird auf Sparflamme zurückgefahren.

Drei große Gasspeicher und ein 107 cbm fassender Wasserspeicher sind ein Garant für eine zuverlässige Versorgung der Teilnehmer. Eine Systemsteuerung im BHKW reagiert auf wetterbedingte Ereignisse. Wärme und warmes Wasser sind rund um die Uhr verfügbar.
Zur Gewinnung der Bioenergie liefern überwiegend Landwirte aus einem Umkreis von 6 km jährlich 3700 t Mais, 2200 t Silphie, Gras und nichtausgereiftes Getreide ( Ähre und Halm ) und 13000 t Gülle und Mist. Wird in den Wintermonaten viel Wärme verbraucht, werden der Fermenter und somit auch beide Nachgärer mit energiereicher Maissilage, Silphie und Gras„ gefüttert“. Die Silphie bringt im Vergleich zum Mais 80% Energie. Besteht in der kalten Jahreszeit ein Wärmemangel für die Abnehmer, kann mit Heizöl nachgeholfen werden. Die Kapazität des Stromnetzes ist begrenzt. Bei Überkapazität müssen Motoren und Generatoren gedrosselt werden. Dies bedeutet auch Wärmeverlust. Zur Sicherstellung der Nahwärme wurden im letzten Trockenjahr 5500 l Heizöl benötigt. Als Substrat liefern Landwirte aus Gussenstadt und Nachbargemeinden im Umkreis von 6 km, jährlich etwa 3700 t Mais an, 2200 t Silphie, Gras und Getreide, sowie 13000 t Mist und Gülle an. Die Silphie wird inzwischen auf einer Ackerfläche von 20 ha angebaut.

Das Gas wird in den großen Hauben über Fermenter, Nachgärer und dem Restlager gespeichert. Die Hauben bestehen aus Kunststoff und werden ohne Stützen, allein durch den Gasdruck von 3.5 bar gehalten. Eine zweite Folie wird durch Luftdruck etwa 20 cm über der Grundhaube als zusätzlicher Schutz installiert. Die Anlage wird alle 2 Jahre vor Ort überprüft und alle 4 Jahre findet eine Überprüfung der gesamten Bioenergieanlage statt. Die Genossenschaft hat heute147 Mitglieder. Die saisonal gesteuerten Motoren liefern 400 MkW Strom und 205 MkW Wärme. Damit werden Jährlich 220000 l Heizöl eingespart. An CO2 werden für Wärme 500 t und für Strom 2400 t weniger in die Umwelt abgegeben. Das BHKW läuft klimaneutral.

Erstmals konnten Rücklagen erstattet, und eine Dividende von voraussichtlich 3% ausbezahlt werden. Gewinn und Arbeitsplätze bleiben im Ort. Der tägliche Arbeitsaufwand beträgt 1.5 Std.

Nach dieser informativen Führung durch Herrn Häcker wanderten wir um die angrenzende, nebelverhangene Umgebung der Anlage durch Feld und Wald. Der Abschluss für die 17 Wanderfreunde im Gasthaus Lamm in Bräunisheim sorgte neben dem leiblichen Wohl noch für viel Diskussion über den interessanten Nachmittag.


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